Grippeimpfung und Guantánamo-Prozess: Wie der SPIEGEL selber die Art von Anti-Journalismus betreibt, die er beim ZDF anprangert

  21. Oktober 2012, von T. Engelbrecht

Screenshot vom Artikel “Guantánamo: Mr. Detox und der Krieger” (SPIEGEL v. 22. Okt. 2012, S. 111), in dem die fakten- und rechtsstaatsferne Behauptung aufgestellt wird, die Angeklagten (u.a. Chalid Scheich Mohammed) seien die Drahtzieher der Anschläge vom 11. September; Bild: Janet Hamlin/AFP

In seiner morgigen Ausgabe auf Seite 95 zieht der SPIEGEL über das ZDF-Boulevard-Magazin Leute heute her. Das ZDF, so das Nachrichtenmagazin, feiere den knallbunten Kuschelklatsch zu Unrecht als vorbildlichen Journalismus. Und in der Tat ist das, was Leute heute genau wie andere TV-Promi-Magazine wie Exclusiv das Starmagazin, brisant und taff betreiben, kein Journalismus, sondern letztlich bloß eine Art Marketing-Show für die so genannten Schönen und Reichen.

Das Problem dabei: Der SPIEGEL selber betreibt immer wieder derartigen Anti-Journalismus, denn “echter” Journalismus steht eben für eine Berichterstattung, die nichts als die Fakten dokumentiert und dabei v.a. den – weithin korrumpierten – Machteliten penibel auf die Finger (sc)haut. Zwei aktuelle Beispiele für dieses journalistische Versagen des SPIEGEL ist die Berichterstattung über die Grippeimpfung sowie ein Artikel über den Guantánamo-Prozess, der kürzlich begonnen hat.

Der SPIEGEL dichtet dem Grippeimpfstoff eine Wirksamkeit an, die genau so fern der Fakten ist wie die einstige Behauptung von SPIEGEL Online, die Gebärmutterhalskrebsimpfung sei “hochwirksam”
Was die Grippeimpfung angeht, so behauptet z.B. Cinthia Briseño, seit Januar 2012 immerhin verantwortlich für das Ressort “Gesundheit” bei SPIEGEL Online, in ihrem Artikel “Knapper Impfstoff: Ärzte fordern Neuregelung der Grippeschutzpläne”: “Wer sich vor der anstehenden Grippesaison für den kleinen Pieks zum Schutz vor der Influenza entschieden hat, könnte Pech haben: Noch immer warten Ärzte in Teilen Deutschlands auf ausreichende Impfstofflieferungen.”

Wieso aber sollen diejenigen, die nicht geimpft werden können, “Pech” haben? Das wäre ja nur der Fall, wenn die Impfung nachweislich gegen die Grippe schützen würde. Doch dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Die Aussage von Frau Briseño ist also fern der Fakten – genau so faktenfern wie die einstige Behauptung von SPIEGEL Online, die Gebärmutterhalskrebsimpfung sei “hochwirksam” (SPIEGELblog berichtete).

Aktuelle Studien belegen: Grippeimpfung ist im Grunde wirkungslos
So zeigt eine Übersichtsarbeit (von mehr als 50 Arbeiten) der angesehenen Cochrane Collaboration zur Grippeimpfung, dass die Grippeimpfung praktisch wirkungslos ist, wie etwa die Patientenschutzorganisation Alliance for Human Research Protection (AHRP) kürzlich berichtete. Die Cochrane Collaboration hat folgendes festgestellt:

- The evidence refutes the claims that the flu vaccine prevents the flu
- The evidence refutes the claim that it prevents viral transmission in healthy adults
- The evidence refutes the claim that the vaccine prevents complications and “saves lives”
- The evidence shows little or no benefit for influenza vaccinations.
- The review shows that reliable evidence on influenza vaccines is thin but there is evidence of widespread manipulation of conclusions and spurious notoriety of the studies

Auch zitiert die AHRP Alan Cassels von der University of Victoria im kanadischen British Columbia, der die aggressiven Impfkampagnen der Pharmariesen und deren Marionetten in den Behörden kritisiert (Kampagnen, die eben von Medien wie dem SPIEGEL in fahrlässiger Weise, weil ungeprüft, ans Endpublikum weitergereicht werden). Wesentlicher Kritikpunkt von Cassels ist der “growing cynicism around the fear-mongering of recent flu pandemics, and the overzealousness with which vaccines are promoted, and you have a recipe for a cynical public. But of most concern is the determination by some respected international scientists and researchers that annual influenza campaigns are likely an utter waste of time and money.”

Auch berichtet Naturalnews.com aktuell: “Michael Osterholm from the Uiversity of Minnesota Center for Infectious Disease Research and Policy analyzed more than 12,000 peer-reviewed studies, documents, transcripts, and notes dating back to the 1930s, and found that there was very little solid evidence that the flu shot provides any real protection for most people.

Im Übrigen zeigt die von mir zusammengestellte Übersicht “Kritische Gedanken zum Thema Impfen”, dass nicht nur generell die Wirksamkeit von Impfungen in Zweifel gezogen werden muss, sondern auch, dass UNgeimpfte nachweislich deutlich gesünder sind als geimpfte Personen.

Der SPIEGEL offenbart in Sachen Guantánamo abermals ein Rechtsverständnis, das an das der Bush-Regierung erinnert
Nicht weniger faktenfern ist die Berichterstattung des SPIEGEL in Sachen Guantánamo-Prozess. So heißt es in der morgigen Printausgabe des Magazins auf S. 111: “Vergangene Woche begann auf Kuba das Verfahren gegen die Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001″ (Unterstreichung von SPIEGELblog). Das ist aber kein Journalismus, sondern – man kann es durchaus so hart sagen – üble Vorverurteilung, denn es gibt ja nicht einmal gerichtsverwertbare Beweise (geschweige denn ein ordentliches staatliches Gerichtsurteil), aus denen auf rechtsstaatliche Weise geschlossen werden könnte, Angeklagte wie Chalid Scheich Mohammed seien auch nur wahrscheinlich die Drahtzieher.

Wohlgemerkt berichtet der SPIEGEL seit Jahren so beschämend unsauber. Bereits 2009 ist SPIEGElblog in seiner Analyse SPIEGEL Online offenbart in Sachen Guantánamo ein Rechtsverständnis, das an das der Bush-Regierung erinnert” dezidiert auf diese Berichterstettung, die faktenfern und fern von Rechtsstaatlichkeit ist, eingegangen. So heißt es in dem SPIEGELblog-Beitrag u.a.:

“Insgesamt also, behauptet SPIEGEL Online, lägen gegen rund 40 Guantánamo-Insassen ‘harte Beweise’ für terroristische Aktivitäten vor. Doch wie sollen die vorliegen können, wenn, wie gesagt, die Militärtribunale nicht rechtsstaatlich waren? Sollte darüber, wie ‘hart’ die Beweise wirklich sind, nicht besser erst einmal ein ordentliches Gericht entscheiden? Bestenfalls könnte man berichten, dass die Militärankläger meinten, genug harte Beweise zu haben, um die aus ihrer Sicht Verdächtigen anklagen zu können. Und ob eine rechtsstaatlich saubere Anklage überhaupt Aussicht auf Erfolg hätte bzw. aufgrund der vorliegenden ‘Beweise’ überhaupt zugelassen werden würde, das müsste sich dann erst noch zeigen.

Hans-Christian Ströbele: Die Aussagen von Scheich Mohammed sind wohl unter Folter zustande gekommen – und Mohammed “hätte wohl auch gestanden, der Satan persönlich zu sein”
Dies gilt streng genommen auch für Chalid Scheich Mohammed, von dem SPIEGEL Online ja meint, er sei der ‘Drahtzieher’ der Anschläge vom 11. September 2001. Zwar hat er vor dem Militärtribunal in Guantánamo so ziemlich alles gestanden, was die Bush-Regierung Al-Quaida seit langem vorwirft. Doch wohl kein rechtsstaatliches Gericht der Welt würde ein solches Geständnis anerkennen.

So geht nicht nur Hans-Christian Ströbele von den Grünen davon aus, dass die Aussagen von Scheich Mohammed unter Folter zustande gekommen sind. ‘Er hätte wohl auch gestanden, der Satan persönlich zu sein’, sagte Ströbele der Süddeutschen Zeitung.”

Wenn SPIEGEL Online nun erneut Chalid Scheich Mohammed und die anderen Angeklagten haltlos als “9/11-Drahtzieher” bezeichnet, so ist dies also weder juristisch noch journalistisch sauber.

Der SPIEGEL hätte viel, viel besser daran getan, seinen Job zu erledigen, sprich den skandalösen Umstand zum Thema zu machen, dass derartig rechtsstaatsferne Gerichtsprozesse wie in Guantánamo im Jahr 2012 überhaupt noch möglich sind – und dies auf Geheiß eines Landes, den USA, das sich selber rechtsstaatlich nennt und deren Präsident auch noch Friedensnobelpreisträger ist…

Gen-Soja: Unfassbar, der SPIEGEL ist immer noch auf Pro-Monsanto-Kurs

  15. September 2012, von T. Engelbrecht

“Auf 45 Millionen Hektar wachsen in Argentinien, Brasilien und Paraguay der Gensoja und Genmais eines einzigen Herstellers, dem Monsanto-Konzern aus den USA. Das ist die Fläche von Deutschland und Österreich zusammen. Weil sich die Plantagen bis zu den Siedlungen ausbreiten, werden die Menschen durch die versprühten Gifte krank oder sterben sogar. Auch Tiere, Böden, Flüsse und das Trinkwasser werden mit Monsantos Giftcocktail verseucht. Wissenschaftler bringen [Monsantos Herbizid] Roundup mit dem weltweiten Amphibiensterben in Verbindung.”
Protestaktion “Stoppt Monsanto-Soja!” von Rettet den Regenwald

SPON argumentiert in dem Artikel “WWF-Studie: Gen-Soja ist Standard im Stall” für GMOs; Quelle: SPIEGEL Online; Foto: DPA

Man kann, ja sollte natürlich für – “pro” – etwas sein können, gerade auch als Journalist. Doch sollte der eingenommene Standpunkt dann natürlich auch faktisch untermauert sein. Vor diesem Hintergrund ist es geradezu beschämend, dass der SPIEGEL nach wie vor auf Pro-Monsanto-Pfaden wandelt (SPIEGELblog berichtete mehrfach über die unkritische bzw. unwissenschaftliche Haltung des SPIEGEL).

So behauptet SPIEGEL-Online-Redakteur Markus Becker - immerhin seit 2003 Ressortleiter Wissenschaft - in seinem Beitrag “WWF-Studie: Gen-Soja ist Standard im Stall” mal so eben, der WWF warne zwar vor gentechnisch verändertem Soja, doch “wo die Gefahr für den Menschen liegt, bleibt allerdings offen”. Und schlimmer noch: Dann behauptet Becker auch noch – ganz gemäß der Monsanto-Propaganda -, es dürfe berechtigterweise daran gezweifelt werden, dass die wachsende Weltbevölkerung ohne Gentechnik ernährt werden könne.

SPIEGEL-Online-Wissenschaftsressort lässt erneut Wissenschaftlichkeit vermissen
Um diese These zu untermauern, wird ausgerechnet der WWF-Wirtschaftsexperte Jason Clay mit den Worten zitiert: “Ich bin überzeugt, dass wir es uns nicht leisten können, die Gentechnik zu ignorieren, solange sie verantwortungsvoll genutzt wird.”

“Ausgerechnet” deswegen, weil der weltweit agierende WWF tief in Interessenssphären der Wirtschaft und ihrer Milliardengewinne verstrickt ist – und dabei Monsanto sogar aktiv unterstützt, wie etwa der WDR in seiner Dokumentation “Der Pakt mit dem Panda” aufgezeigt hat.

Auch ist die von Monsanto&Co. übernommene Behauptung, wonach wir die Gentechnik bräuchten, um die steigende Weltbevölkerung ernähren zu können, überhaupt nicht belegt. Das Gegenteil ist vielmehr wahr, wie etwas auch das Bundesamt für Naturschutz in seinem Positionspapier Kann die Agro-Gentechnik zur naturverträglichen und nachhaltigen Sicherung der Welternährung beitragen? dargelegt hat.

Im Übrigen ist es einfach unwissenschaftlich, wenn SPIEGEL-Online-Redakteur Becker zum Besten gibt, ”wo die Gefahr von Gen-Soja für den Menschen liegt, bleibt offen”. Denn es gibt keine seriöse unabhängige Wissenschaft, die zeigt, dass gentechnik veränderte Organismen (GMOs) sicher sind. Statt dessen kommen unabhängige Studien zu dem Ergebnis, dass GMOs und die mit ihnen verwendeten Substanzen (z.B. das Herbizid Roundup) sehr wohl schädlich bzw. krank machend sein können, wie auch die WDR-Doku berichtet.

Neue Studien zeigen, dass der Verzehr von gentechnisch verändertem Weizen zu Leberversagen führen kann – doch derlei Studien ignoriert Der SPIEGEL einfach
Der SPIEGEL scheint unterdessen so sehr in seiner Pro-Monsanto-Haltung gefangen, dass er solide Gentechnik-kritische Studien praktisch einfach ignoriert. Dabei fördern diese Beunruhigendes zutage. Erst kürzlich veröffentlichte z.B. das neuseeländische Centre for Integrated Research in Biosafety den Report “Evaluation of risks from creation of novel RNA molecules in genetically engineered wheat plants and recommendations for risk assessment”. Ergebnis: Konsumenten, die gentechnisch veränderten Weizen essen, kontaminieren ihren Körper mit Enzym-zerstörendem Weizen, der die Leber empfindlich schädigen und letztlich sogar zu Leberversagen führen kann.

Jack Heinemann, Autor der Studie und Molekularbiologe an der University of Canterbury in Australien: “What we found is that the molecules created in this wheat, intended to silence wheat genes, can match human genes, and through ingestion, these molecules can enter human beings and potentially silence our genes. From this information, we know that it’s plausible there will be an adverse effect and therefore that’s why we’re calling for a particular battery of experiments to be done before humans eat this wheat.”

Und Judy Carman, Professorin für Biochemie an der Flinders University in Adelaide, fügt hinzu: “If this silences the same sort of gene in us — as it silences in the wheat — then, well, children who are born with this enzyme not working tend to die by the age of about five. And adults with this problem, just kind of get more and more sick, and more and more tired, until they get very very ill indeed.”

James Holmes: Auch der SPIEGEL vermeidet es erneut zu untersuchen, ob Medikamente den Kino-Attentäter zu seinem Amoklauf getrieben haben könnten

  29. Juli 2012, von T. Engelbrecht

It is highly likely that James Holmes has been on psychiatric drugs. Not only does he fit the classic definition of a person typically put on psych drugs — young white disturbed male — his actions in the movie theater almost perfectly resemble those of the psyched-out shooters in the 1999 Columbine High School massacre: Eric Harris and Dylan Klebold. Eric Harris was prescribed the anti-depressants Zoloft and later he was switched to a similar anti-depressant drug — Luvox. At the time of his death, Harris had therapeutic Luvox levels in his system. Some analysts, such as psychiatrist Peter Breggin, have argued that one or both of these medications may have contributed to Harris’s actions.”
naturalnews.com

Es ist das typische Muster in den Massenmedien, der SPIEGEL eingeschlossen: Nach einem Amoklauf sind Aufschrei und Betroffenheit groß, und man verspricht schonungslose Aufklärung. Doch da gibt es einen blinden Fleck bei den Mainstreammedien. Denn diese schauen bei ihrer Ursachenforschung gerne auf die Waffenlobby oder auch auf Videospiele, aber so gut wie nie auf die Medikamente, die die Amokläufer eingenommen haben.

Dies verwundert um so mehr, wenn man bedenkt, dass z.B. aus der US-Datenbank www.ssristories.com, hervorgeht, dass bei mehr als 60 und damit bei der großen Mehrheit von diesen Amokläufen (“School Shootings”) Prozac und andere Antidepressiva (so genannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI) im Spiel waren.* Die Datenbank listet zudem mittlerweile mehr als 4800 News-Artikel auf, in denen SSRI’s mit Gewalt in Verbindung gebracht werden (SPIEGELblog berichtete).

Medikamene können die Patienten zu “Zombies” werden lassen
Auch bei dem aktuellen Amoklauf des Amerikaners James Holmes, der in der Nähe von Denver bei einer Premiere des neuen Batman-Films “The Dark Night Rises” 12 Menschen erschossen und etwa 50 verletzt hat, sieht sich der SPIEGEL abermals nicht veranlasst zu untersuchen, ob Medikamente selber den 24-jährigen (maßgeblich) zu seiner Wahnsinnstat getrieben haben könnten. Dies verwundert um so mehr, wenn man bedenkt, dass auch der SPIEGEL am Freitag berichtete, dass der Student “in psychiatrischer Behandlung war”. Und wer heutzutage in psychiatrischer Behandlung ist, dem werden in der Regel auch Medikamente verabreicht – also Präparate, die die Patienten nachweislich sehr aggressiv machen und auch stark wesensverändernd wirken können.

Anfang 2008 z.B. hatte Steven P. Kazmierczak, ein damals 27-jähriger US-Soziologiestudent, das Antidepressivum Prozac gerade erst abgesetzt und dann im Wahn fünf Studenten der Northern Illinois University sowie sich selbst erschossen. Seine Freundin Jessica Baty sagte gegenüber dem Sender CNN, Kazmierczak hätte sich durch Prozac “wie ein Zombie” gefühlt (siehe meinen Artikel für die Schweizer WOZ “Antidepressiva und Amok: Wenn der Schalter kippt…”).

Telegraph: “James Holmes was on the painkiller Vicodin; Vicodin side-effects can include euphoria, paranoia and, in rare cases, hallucinations”
Was James Holmes angeht, so stellt sich ganz aktuell auch heraus, dass er das verschreibungspflichtige Schmerzmittel Vicodin eingenommen hatte. Dazu berichtet der britische Telegraph:

“After the massacre Holmes calmly told detectives he had taken 100mg of the prescription painkiller Vicodin, and identified himself as ‘The Joker’. The same drug was found in the system of actor Heath Ledger when he died of an accidental overdose of prescription drugs in 2008. Ledger played The Joker in the previous Batman film The Dark Knight. Vicodin side-effects can include euphoria, paranoia and, in rare cases, hallucinations.”

* Diese Datenbank ist auch in dem New-York-Times-Artikel “Reports of Gunman’s Use of Antidepressant Renew Debate Over Side Effects”, in dem es um einen möglichen Zusammenhang von Antidepressiva und Gewalttaten/Amokläufen geht, erwähnt. Dieser Beitrag ist wohlgemerkt einer der ganz wenigen Artikel in den Mainstreammedien, der den Zsh. zwischen Gewalttaten wie Amokläufen und Medikamenten zum Thema macht.

SPIEGEL-Eigenwerbung “Die Konferenz, vor der Politiker zittern” gleicht schlechtem Slapstick

  27. Mai 2012, von T. Engelbrecht
SPIEGEL Eigenwerbung; Quelle: kress.de

SPIEGEL Eigenwerbung; Quelle: kress.de

Das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL wartet mit einer neuen Markenkampagne auf: “Meist gelesen. Meist zitiert. Meist gefürchtet” oder “Die Konferenz, vor der Politiker zittern” steht u.a. auf den Werbemotiven. Die Kampagne ist aber einfach nur ein schlechter Witz. Denn welcher Politiker muss wirklich vor dem Nachrichtenmagazin zittern? Wo, bitte schön, ist der mächtige Politiker, den der SPIEGEL in den vergangenen Jahren zu Fall gebracht hat – so wie es einst die Washington-Post-Reporter Bob Woodward und Carl Bernsteinetwa bei Nixon mitvollbracht haben?

Gerne hofiert der SPIEGEL die hohe Politik
Und damit nicht genug. Der SPIEGEL hat gerade in den vergangenen Jahren für Politiker wie Angela Merkel regelrecht Hofberichterstattung betrieben (SPIEGELblog berichtete mehrfach). In diesem Zsh. würde eher ein Werbespruch passen wie “Die Konferenz, die Politiker nicht wirklich fürchten müssen”.

Einen Artikel, der praktisch aus der Feder der CDU stammen könnte, findet sich z.B. auch ganz aktuell (29. Mai) auf SPIEGEL Online. Allein die Headline klingt wie aus dem CDU-Schlaraffenland: “US-Studie: Europa bewundert die Deutschen”. Dasselbe gilt für das große Foto, das zwischen Headline und Lauftext thront und eine lächelnde Kanzlerin Merkel zeigt – und mit der Bildunterschrift garniert ist: “Kanzlerin Angela Merkel: Zustimmung für ihre Krisenpolitik.”

Und damit nicht genug. Auch heißt es gleich zu Beginn des Vorspanns, die US-Studie hätte ergeben, dass Deutschland “kaum bestechlich” sei. Klingt wie im Märchen – und ein solches ist diese These auch. So berichtet etwa der Tagesspiegel ganz aktuell und exklusiv, dass “sich Kanzlerin Angela Merkel und andere Kabinettsmitglieder bei Dutzenden Reisen seit 2009 von hochrangigen Vertretern der Rüstungsindustrie begleiten lassen”. Und der Wirtschaftkriminalist Uwe Dolata kommt aufgrund seiner Recherchen gar zu dem Schluss, dass Deutschland im Grunde keine Demokratie mehr sei, sondern fast schon eine Lobbykratie.

… und gerne auch klebt das Nachrichtenmagazin an den Lippen von Branchen wie der Pharmaindustrie
Dass die Berichterstattung des SPIEGEL die Machteliten nicht zum zittern bringt, zeigt sich z.B. auch an die Berichterstattung des Nachrichtenmagazins über die Schweinegrippe und EHEC (SPIEGELblog berichtete). Bei EHEC klebte der SPIEGEL nämlich genau so an den Lippen der Medizinelite aus Politik und Industrie, wie zuvor bereits bei SARS, Vogelgrippe etc. Dabei hatte der SPIEGEL nach seiner irrwitzigen medialen Schweinegrippe-Panikmache sogar Besserung gelobt (siehe SPIEGELblog-Beitrag “Haltlose Schweinegrippe-Panikmache: Der SPIEGEL gibt sich geläutert – und macht dann doch wieder blindlings Werbung für das Medizinestablishment”). Doch das war ganz offenbar nur ein Lippenbekenntnis.

Denn wie zuvor etwa bei der Schweinegrippe, als das Nachrichtenmagazin u.a. einen Titel brachte mit der Schlagzeile “Das Welt-Virus” (dessen irrsinniger Tenor war, der Schweinegrippe-Erreger könne zum Horrorvirus mutieren – SPIEGELblog berichtete), so trug auch die Titelgeschichte zu EHEC die aberwitzige Headline “EHEC: die Geburt einer neuen Seuche”. Aberwitzig u.a. deshalb, weil es ja weder bei EHEC von bei der so genannten Schweinegrippe (und auch nicht bei SARS und bei der so genannten Vogelgrippe) zu einer Seuche kam!

Wenn man sich also diese neue Werbekampagne des SPIEGEL mit dem Spruch “Die Konferenz, vor der Politiker zittern” genauer anschaut, so liegt hier die Vermutung nahe, dass sie schlicht dem Umstand geschuldet, dass das Blatt innerhalb der vergangenen zwei Jahre bei seiner verkauften Auflage fast 100.000 eingebüßt hat. Doch anstatt auf verklärende Werbephrasen zu setzen, sollte der SPIEGEL lieber auf redaktioneller Ebene endlich mal alles daran setzen, den Politikern wirklich das Fürchten zu lehren.

PS: Das einzige, das an dem Werbeplakat zum fürchten ist, ist die Anmutung des Fotos. Allein der riesige verschwommene Hinterkopf, der ganz vorne einen Großteil des Bildes verdeckt, ist einfach nur unansehnlich. Ansonsten wird da eine Runde von Sakko mit Hemd und Wollpullover tragenden Männern gezeigt, deren Chef Mascolo ziemlich unsympathisch dreinschaut – und der ganz hinten ein einziges Fräulein beiwohnen darf…

Günter Grass wird von SPIEGEL-Autor Georg Diez haltlos als “Zombie” abgekanzelt – Diez’ “Debattenkritik” ist letztlich auch nur “völlig unnötiger Krawall”

  08. April 2012, von T. Engelbrecht

“Grass hat grundsätzlich recht.”
Mohssen Massarrat, Exil-Iraner und Politikprofessor an der Uni Osnabrück, in einem Kommentar in der Financial Times Deutschland, 12. April 2012

“Ich stehe auf der Seite von Grass. Er hat etwas Vernünftiges gesagt. Es ist völlig unnötiger politischer Krawall, dass Deutsche und Israelis darum wetteiferten, wer Grass mehr beschimpfen kann, und wer extremere Ausdrücke für ihn findet.”
Alfred Grosser, Publizist und Kind jüdischer Eltern, im SZ-Interview

Es ist antisemitisch darauf zu bestehen, dass Israel in Deutschland nicht kritisiert werden darf.”
Uri Avnery, israelischer Autor, nimmt Günter Grass in Schutz; Artikel “Kritik-Verbot an Israel ist antisemitisch” auf sueddeutsche.de

“Das Erschießliche in Deutschland hat sich freilich seit Heines Zeiten gewandelt – und wohl auch die Exekutionskommandos: Eine Konstellation aus enthusiasmierten Israelsolidarisierern ‘antideutscher’ (letztlich neokonservativer) Provenienz, einer stets abrufbereiten ‘jüdischen Intelligenz’ (professoraler, publizistischer und offiziell-institutioneller Couleur), einer unter dem geschichtlich konnotierten Tabu keuchenden politischen Klasse, einer in diesem Punkt in der Tat ‘gleichgeschalteten’ deutschen Medienwelt und einer aktivistisch-durchideologisierten israelischen Botschaft bildet stets eine durch den Eklat gestählte Front, sobald ein Ausscherender etwas, und sei‘s noch so kümmerlich, an ihrer Selbstgewissheit kratzt.”
Moshe Zuckermann auf Hintergrund.de in seinem Beitrag “Eine gut orchestrierte Hysterie” über die Kritker von Grass’ Gedicht “Was gesagt werden muss”

Dass Israel über 250 Atomsprengköpfe besitze, dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten sei sowie keine Kontrollen zulasse und offen das Für und Wider eines „Präventivkriegs“ gegen Iran diskutiere, „sind Tatsachen, die Günter Grass auf seine Weise ins rechte Licht gerückt hat“.
Peter Strutynski, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag; tagesspiegel.de

SPIEGEL 15/2012, S. 117; Foto: Jakob Carlsen

Man könnte fast meinen, in Deutschlands Massenmedien findet eine Art “Grass-Bashing” statt – nach dem Motto: Wer kann verbal am übelsten gegen Günter Grass knüppeln? Marcel Reich-Ranicki z.B. beschimpft Grass’ Gedicht als “ekelhaft”, wie SPIEGEL Online berichtet, und SPIEGEL-Kolumnist Georg Diez versteigt sich in der aktuellen Print-Ausgabe gar dazu, Grass als “Zombie” zu verunglimpfen (siehe auch links).

Man muss Grass’ Zeilen nicht durchweg zustimmen, doch derartige Schmähungen sind wirklich nicht fundiert. Oder wie es der israelische Autor Uri Avnery formuliert (zu lesen auf sueddeutsche.de): “Es ist völlig unnötiger politischer Krawall, dass Deutsche und Israelis darum wetteiferten, wer Grass mehr beschimpfen kann, und wer extremere Ausdrücke für ihn findet.”

Dass auch die so genannte Debattenkritik “Zombies” von SPIEGEL-Kolumnist Georg Diez letztlich nur “völlig unnötiger politischer Krawall” ist, zeigt sich nicht nur, wenn man sich die Definition von dem von Diez verwendeten Begriff “Zombie” einmal vergegenwärtigt. Auch verirrt sich Diez in seinem Stück in seinen Aussagen bzw. Anwürfen und lässt darin die intellektuelle Tiefe vermissen. Da kann man kaum glauben, dass der 1969 in München geborene Kolumnist tatsächlich Philosophie studiert hat.

Diez tut genau das, was er Grass vorhält: Er vereinfacht auf unsinnige Weise
So behauptet Diez, Grass gehöre zu denjenigen, die meinen, die Deutschen würden sich als Opfer sehen und daher die Schuld den “eigentlichen Opfern”, sprich den Juden, zuschieben. Das geht aber nicht nur nicht aus Grass’ Zeilen hervor, auch ist dies eine bloße Behauptung, der meines Erachtens die Grundlage fehlt und die Diez wohlgemerkt auch nicht belegt.

Auch ist es falsch, um nicht zu sagen perfide, wenn Diez – Bezug nehmend auf Henryk M. Broder, den “notorischen Produzenten heißer Luft”, wie die Titanic formulierte – schreibt, Grass würde meinen, der Iran und Palästinenser würden sich “zu Recht” gegen Israel wehren, weil “die Gründung Israels die eigentiche Aggression ist”. Perfide deshalb, weil er damit – Bezug nehmend auf “Blasebalg” Broder – einen Antisemitismus-Vorwurf verbindet.

Später, im vorletzten Absatz, rudert Diez zwar wieder zurück, indem er schreibt: “Ich glaube nicht, dass Grass Antisemit ist.” Doch dieses “Glaubensbekenntnis” von Diez ist nicht nur schwach bzw. unglaubwürdig, weil er es im darauf folgenden Satz praktisch gleich wieder zurücknimmt, indem er (fälschlicherweise) einfach behauptet, das Grass’sche Denken “kann in der Konsequenz zu Antisemitismus führen”. Und eben deshalb ist das Diez’sche “Glaubensbekenntnis” auch ein Zeugnis für die Schwäche seiner “Debattenkritik”, ist sie doch überfüllt mit faktisch nicht unterfütterten Vermutungen bzw. Unterstellungen.

Dies zeigt sich auch daran, dass das, was Diez behauptet (dass Grass meinen würde, der Iran und Palästinenser würden sich “zu Recht” gegen Israel wehren, weil “die Gründung Israels die eigentiche Aggression ist”) überhaupt nicht Thema von Grass’ Gedicht ist. Vielmehr geht es Grass ja darum, vor einem Krieg gegen den Iran zu warnen – ausgelöst von Israel nicht als den “eigentlichen Aggressor”, sondern schlicht als einen Aggressor.

Genauer müsste man freilich nicht von “Israel” sprechen, sondern in erster Linie von der “derzeitigen Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu”, wie Grass auch im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung präzisiert. Eine Präzision, die für denjenigen, der Grass kennt und dessen Verse vorurteilsfrei liest, eigentlich gar nicht nötig ist – und die es noch abstruser erscheinen lässt, Grass auch nur andeutungsweise in die Antisemitusmus-Ecke zu platzieren.

In diesem Zsh. wird auch sichtbar, dass Diez in seinem Kommentar genau das tut, was er Grass bzw. gleich dem ganzen “deutschen Denken” vorhält: zu vereinfachen. Diez vereinfacht nämlich, indem er meint, es sei letztlich nicht legitim, Israel als einen Aggressor darzustellen. Ein solches Schwarz-Weiß-Denken kann der Realität natürlich nicht gerecht werden.

Zuckermann: “Das Herzstück des gesamten Problems ist der Territorialkonflikt von Israelis und Palästinensern – doch Israel will den Frieden mit den Palästinensern nicht”
Wie sehr dies der Fall ist, skizziert Moshe Zuckermann in seinem Hintergrund.de-Beitrag “Eine gut orchestrierte Hysterie”, in dem er auf die Kritik an Grass’ Versen dezidiert eingeht. Darin heißt es:

“[Der] Angelpunkt des gesamten Problems der Existenzbedrohung Israels ist nicht die von den in periodischen Gewaltausbrüchen verwendeten Waffen ausgehende Gefahr, sondern der Nahostkonflikt mit seinem Herzstück, dem historischen Territorialkonflikt von Israelis und Palästinensern. Wer nicht begreifen will, dass die Bedrohung Israels durch die Saddam Husseins und die Ahmadinedschads der Region in erster Linie durch den (noch) ungelösten Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern erst eigentlich möglich wird, muss sich vorhalten lassen, dass sein Gerede über die Existenzbedrohung Israels, gar über eine Israel drohende „zweite Shoah“ manipulativ-ideologischen Charakters ist. Aber genau darin übt sich die israelische Politik schon seit Jahrzehnten: Israel will den Frieden mit den Palästinensern nicht, denn dieser ist ohne Abzug aus den besetzten Gebieten nicht zu haben; es betreibt ganz gezielt und intensiv die Besiedlung palästinensischen Landes, unterjocht dabei die Bewohner und bedient sich perfidester Ideologisierung dieses Grundumstands, indem es seine eigene Nichtbereitschaft zum Frieden auf die von ihm unterdrückten und geschundenen Palästinenser projiziert.”

Und Georg Diez gehört offenbar zu denjenigen, von denen Zuckermann sagt, sie hätten dies nicht begriffen und müssten sich daher vorhalten lassen, dass ihr Gerede über die Existenzbedrohung Israels “manipulativ-ideologischen Charakters ist”. Statt dessen versucht Diez auf Krampf, dem Leser zu erklären, wie es psychologisch um Grass bestellt ist. Doch er überzeugt nicht, da er, wie gesagt, nur mutmaßt, ohne Belege vorbringen zu können. Dabei fehlt ihm auch das feine Gespür eines Psychologen. Vielmehr holt er immer wieder die Unterstellungs-Kanone raus, etwa indem er haltlos behauptet, Grass wolle sich mit seiner Kritik an Israel “selbst erlösen”, und dies seit dem zweiten Weltkrieg.

Nicht weniger verhebt er sich mit dem Satz: “Das Problem ist, dass Grass eine Art von Vereinfachung vorführt, wie sie im deutschen Denken verwurzelt ist und auch von Teilen der Linken in den siebziger Jahren praktiziert wurde – was dann in der Konsequenz zu Antisemitismus führen kann”.

Denn nicht nur unterstellt er hier Grass letztlich, wie erwähnt, auf haltlose(!) Weise, dass dessen Denke in Antisemitismus münden könne. Auch verfällt Diez hier in eine billige Kritik an so genannten “Linken”, wie man sie sonst v.a. von rechtskonservativen “Brüllaffen” vernimmt. Und nicht zuletzt lässt Diez – vollauf damit beschäftigt, als polternder Psychologe von Grass aufzutreten – das zentral Wichtige außer Acht: die Kapitalismuskritik, die etwa der erwähnte Moshe Zuckermann in seinem Hintergrund.de-Beitrag benennt und völlig zu Recht für so notwendig erachtet. Denn letztlich, so Zuckermann, seien es ja nicht “die Deutschen” oder irgendeine sonstige Nationalität, sondern “[ist es die] Waffenindustrie (an der Israel übrigens selbst massiv beteiligt ist), die im kapitalistischen System auch vor… [einer] Profitmache [in Form von Lieferungen an diktatorische Länder wie den Irak unter Saddam Hussein] keinen Halt macht”.

Debattenbeiträge auf Hintergrund.de legen dar: Was Grass ausgesprochen hat, ist Nichts, was in Israel selbst nicht schon hundertfach gesagt und erörtert worden wäre
Wie sehr Diez mit seinem Debattenbeitrag “Zombies” losgebrüllt hat, ohne dabei etwas Sinnhaftes von sich zu geben, zeigen auch die Aufsätze von sechs Intellektuellen – von dem bereits erwähnten Moshe Zuckermann sowie von Noam Chomsky, Domenico Losurdo, Rolf Verleger, Ekkehart Krippendorff und Norman Paech -, die sich auf Hintergrund.de mit Kommentaren zur Grass-Debatte zu Wort gemeldet haben. Dass die von ihnen geäußerten Ansichten in den etablierten Massenmedien praktisch keinen Widerhall finden, bestätigt übrigens nur Grass’ Aussage von der “Gleichschaltung der Medien”.

Moshe Zuckermann, der Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv lehrt, etwa schreibt:

“Was hat Günter Grass gesagt, das die in Deutschland ausgebrochene Hysterie, wenn schon nicht zu begründen, so zumindest zu erklären vermöchte? Die Erwartungen können sogleich aufs Normalmaß des Diskutierbaren heruntergeschraubt werden: Nichts, was in Israel selbst nicht schon hundertfach gesagt und erörtert worden wäre. Nichts, was man im Hinblick auf Fakten bzw. aufs begründbar Mögliche lapidar infrage stellen könnte…

… Israel will den Frieden mit den Palästinensern nicht, denn dieser ist ohne Abzug aus den besetzten Gebieten nicht zu haben; es betreibt ganz gezielt und intensiv die Besiedlung palästinensischen Landes, unterjocht dabei die Bewohner und bedient sich perfidester Ideologisierung dieses Grundumstands, indem es seine eigene Nichtbereitschaft zum Frieden auf die von ihm unterdrückten und geschundenen Palästinenser projiziert…

… Was also hat ‘die Deutschen’ bzw. die hegemoniale Sphäre der deutschen Öffentlichkeit an Grassens Gedicht so aufgewühlt? Die Antwort darauf liegt nicht im Inhalt des Poems (auch nicht in der Tatsache, dass Grass sich dieses Genre zum Medium seiner Aussage gewählt hat), sondern schier in der Tatsache, dass er einen Tabubruch begangen hat, namentlich ausgesprochen hat, was nach vorherrschender ‘deutscher’ Norm unausgesprochen bleiben muss. Grass kann sich dabei noch so sehr auf eine von Goethe über Heine bis Brecht laufende Tradition des politischen Gedichts berufen – die hilft ihm nichts: Schon Heine wusste, dass er von seinem Exilland Frankreich nicht nach Deutschland zurückkehren sollte, weil er ‘Erschießliches’ geschrieben hatte…”

Prof. Dr. Rolf Verleger, Autor des Buches „Israels Irrweg. Eine jüdische Sicht“ (2010) und Mitglied der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost, meint u.a.:

“… Wenn man den israelischen Rechtsnationalisten und Grass’ Kritikern zuhört, könnte man meinen, die Bösen seien immer die anderen. Ist es aber nicht vielmehr unsere Aufgabe, unseren eigenen Anteil zu erkennen und zu ändern?”

Lesen Sie hier alle sechs Beiträge auf Hintergrund.de.

PS: Während FTD.de darüber berichtet, dass Marcel Reich-Ranicki das Gedicht von Günther Grass als “ekelhaft” bezeichnet, ergibt die Umfrage auf FTD.de, dass mehr als 80 Prozent die Israel-Thesen von Grass für “diskutabel” oder gar “richtig” halten (siehe links).

Interessant auch der Beitrag “Bravo Günter Grass!” auf dem Blog Die Meinungsfreiheit.

SPIEGEL TV Reportage “Kämpfen für Buddha” macht irreführende Werbung für einen falschen Shaolin-Tempel, in dem der Abt kein Abt und die Meister keine Meister sind

  17. Februar 2012, von T. Engelbrecht

(Mit Dank an Marcus B.)

SPIEGEL-TV-Reportag “Kämpfen für Buddha”; Bildquelle: SPIEGEL TV
SPIEGEL-TV-Reportag “Kämpfen für Buddha”; Bildquelle: SPIEGEL TV

Kürzlich sah ich auf SPIEGEL Online eine Reportage, deren Recherchen sich über mehrere Jahre erstreckten. Es geht um einen deutschen namens Julian Jacobi, der WuShu (Show Kung Fu) lernt. Die SPIEGEL-TV-Redakteure begleiteten ihn auf seiner “Entwicklung zum Shaolin”. Herr Jacobi wurde vollmundig gar als “deutscher Bruce Lee” und als “deutscher Shaolin” betitelt.

In der Reportage “Kämpfen für Buddha – Julians harter Weg zum Shaolin-Mönch” (siehe auch Screenshot) heißt es:

“Acht Stunden Training täglich, kein Alkohol, keine Mädchen, eine karge Unterkunft – es herrschen strenge Regeln im Shaolin-Kloster in Kaiserlautern. Julian [Jacobi] träumt davon, Kung-Fu in Perfektion zu lernen und bewirbt sich bei Europas einziger Ausbildungsstätte für Kampfmönche.”

Klingt spannend, doch die Reportage entpuppt sich bei näherer Betrachtung als regelrechte PR-Kampagne, die fern der Fakten berichtet.

Die zentralen Kritikpunkte:

- Eine kulturelle Einrichtung eines fremden Landes wird falsch dargestellt
- Es wird Werbung gemacht für ein Plagiat (falscher Shaolin Tempel in Otterberg bei Kaiserslautern), das weder spirituell noch kampfkünstlerisch Shaolin repräsentiert
- Viele begeisterte Kampfkünstler werden so vom falschen Schein des Plagiats angezogen
- Das echte Shaolin in China wird zu Unrecht diffamiert als kommerzielle Einrichtung ohne Substanz
- Der Muttertempel und der offizielle Ableger von Shaolin in Deutschland erleiden einen finanziellen Schaden durch die Schüler, die im Irrglauben in Kaiserslautern trainieren und dafür teuer bezahlen

Selbst Wikipedia und die Süddeutsche Zeitung berichten über den “Shaolin-Schwindel”
Dass SPIEGEL TV mit seiner Reportage den Zuschauern einen Bären aufbindet, indem nicht erwähnt wird, dass es sich hier um ein falsches Kloster handelt, in dem der Abt kein Abt ist und die Meister keine Meister, geht auch aus dem Abmahnschreiben des Muttertempels in China hervor. Dieses richtet sich gegen den Leiter der der deutschen Einrichtung, der behauptet, ein Ableger des Songshan Shaolin Tempels zu sein und im Auftrag des Muttertempels zu handeln. Er behauptet sogar, im Namen des Muttertempels Novizen auszubilden.

Sogar in Wikipedia wird darüber aufgeklärt, und auch die Süddeutsche Zeitung machte einen großen Artikel darüber (“Der Shaolin-Schwindel”).

Was Julian Jacobi dort in Otterberg gelernt hat, war Wushu Akrobatik, was mit Shaolin Kung Fu wenig bis gar nichts zu tun hat. Auch ist der selbsternannte Abt des Shaolin Tempels in Otterberg, Herr Monroe
Coulombe alias Shi Heng Zong, weder Kampfsportler irgendeines Systems noch Abt. Er hält Buddhistische Seminare ab und spricht selbst nach eigenen Angaben nur minimalst Chinesisch. Doch wie begreift man die Philosophie eines fremden Landes ohne der Sprache mächtig zu sein?

Was also bei der SPIEGEL-TV-Reportage herauskam, war ein Werbefilm über Kampfkünstler, die sich zu unrecht einen Namen aneignen und der wie ein Magnet auf Kunden bzw. Schüler wirkt. Man stelle sich die Situation einmal umgekehrt vor:

Die Chinesen machen einen falschen Franziskaner Orden auf, in dem nur chinesisch gesprochen und die Bierbrauerei soweit entfremdet wird, dass dabei wässrige Brühe herauskommt. Das Bier füllen sie dann ab in Flaschen und verkaufen es als Klosterbier der Franziskaner Mönche mit dem original deutschen Etikett. Darüber berichten nun chinesische Medien und stellen einen Novizen des Ordens in Dokus dar. Dieser Novize geht dann erst in China zu einem zweiten falschen Bierbrauer und danach sogar nach Deutschland. Dort geht er in die Budweiser Fabrik und beschwert sich öffentlich, dass das Bier in Deutschland nur Chemie sei und mit dem Reinheitsgebot nichts zu tun habe. Absurd? Ja – und genau das ist bei SPIEGEL TV passiert…

In der zweiten Doku von SPIEGEL TV zum Thema ging der Kung-Fu-Schüler erst nach Berlin. Knapp vorbei ist auch danaben. Ging er nämlich nicht in den offiziellen Ableger von Shaolin, sondern wieder zu einer inoffiziellen Schule. Danach verschlug es ihn nach China – aber nein, nicht in den Shaolin-Tempel, sondern in ein Wushu-Internat, das vergleichbar ist mit einem deutschen Sport-Internat. Dort suchte er die Philosophie und das geistige Wachstum offensichtlich vergebens. Mit vielen Rückblenden versehen auf den falschen Tempel in Kaiserslautern, war das eine großartige Werbe- und PR Kampagne für ein Plagiat.

Studie bescheinigt Agro-Gentechnik Totalversagen – und entlarvt die Pro-Monsanto-Haltung des SPIEGEL als beschämend

  11. Dezember 2011, von T. Engelbrecht

(Mit Dank an Georg W.)

Studie bescheinigt Agro-Gentechnik Totalversagen - für "Die Welt" ein Bericht wert, für den "SPIEGEL" nicht...; Foto: PA
Studie bescheinigt Agro-Gentechnik Totalversagen – für Die Welt ein Bericht wert, für den SPIEGEL dagegen nicht…; Foto: PA

Es ist schon erschreckend: Anstatt die Lügen von Großindustrien wie des Agrobusiness von Monsanto & Co. konsequent zu entlarven, hat sich der SPIEGEL dessen Lügenmärchen immer wieder einfach zu eigen gemacht und kritiklos an seine Leser weitergereicht (SPIEGELblog berichtete mehrfach).

Dass dies regelrecht beschämend ist, offenbart nun die Studie “The GMO emperor has no clothes“, die von Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt, darunter dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu), gemeinsam zusammengetragen wurde.

Die Tageszeitung Die Welt hat darüber berichtet (siehe auch Screenshot), der SPIEGEL und SPIEGEL Online bezeichnenderweise nicht…

Die “Heilsversprechungen” von Monsanto&Co. lauten: Die Agro-Gentechnik bringt höhere Erträge und ermöglicht eine bessere Bekämpfung des weltweiten Hungers sowie den reduzierten Einsatz von Pestiziden. “Nichts davon ist wahr”, sagte Vandana Shiva, Trägerin des alternativen Nobelpreises, bei der Vorstellung der Analyse in Berlin. So zeige die Studie, dass z.B. folgendes Fakt sei:

# Pestizideinsatz verzigfacht: In Indien etwa hat sich der Einsatz von Pestiziden gegen Pflanzenschädlinge seit dem Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle um das 30fache, in China um das zwölffache erhöht. Aber auch in den USA richteten die Gen-Pflanzen großen ökonomischen Schaden an.

# Es gibt immer mehr „Superunkräuter“, denen mit den herkömmlichen Mitteln nicht beizukommen ist. Weltweit sollen bereits 20 Millionen Hektar Ackerland von den Kräutern verseucht sein. Zur Bekämpfung habe Monsanto jetzt ein Mittel auf den Markt gebracht, das dem verpönten Entlaubungsgift „Agent Orange“ gleiche, sagte Shiva.

# Immer mehr “Schädlinge” und totalabhängige Bauern: Laut Studie gibt es immer mehr so genannte Schädlinge, die bisher keine waren, und Bauern, die sich in völliger Abhängigkeit der Saatgutriesen befinden und von diesen in den wirtschaftlichen Ruin getrieben würden

Zumindest der letzte Punkt kann – aus Sicht von Bayer, Monsanto und Konsorten – ja durchaus als “Erfolg” gesehen werden…

Zwickauer Terrorzelle: Wie der SPIEGEL den Verdacht, der Staat könnte in die Taten verstrickt sein, zu Unrecht ins Lächerliche zieht

  18. November 2011, von T. Engelbrecht

“Es gibt noch viel zu wenig Ermittlungsverfahren gegen lokale Unterstützernetzwerke des NSU und V-Leute des Verfassungsschutzes. Es fehlen vollständig die Verfahren gegen Ermittler, gegen Polizeibeamte, gegen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, gegen Präsidenten und Abteilungsleiter von Verfassungsschutzbehörden. Verfahren, die nicht nur wegen Inkompetenz und Untätigkeit, sondern auch wegen aktiver Unterstützung geführt werden müssten. Auf diese Anklagebank gehören nicht fünf, sondern 50 oder noch besser 500 Personen.”
Angelika Lex, Anwältin der Opfer-Familie Boulgarides und gewählte bayerische Verfassungsrichterin, bei einer Zwischenkundgebung vor dem Gericht, junge Welt, 15. April 2013

(Eine Übersicht von V-Männern als Staatsanteil im Netzwerk der Terrorgruppe NSU findet sich hier)

“Die Zwickauer Terrorzelle hatte offenbar Kontakt zu einem V-Mann des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Sollte sich das bestätigen, könnte nun auch das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz in die Affäre um die Ermittlungspannen gezogen werden.”
Frankfurter Rundschau, 23. Nov. 2011

junge welt: “Gehen Sie davon aus, daß die Inlandsgeheimdienste mehr in den Skandal verstrickt sind, als es die Berichterstattung nahelegt?”
Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung: “Die Verantwortlichen [in den Behörden] erwecken den Eindruck, sie seien völlig überrascht und selbst Opfer einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Das widerlegen die Analysen von Monitor über FAZ und Tagesspiegel bis zur Frankfurter Rundschau und linken Zeitungen.”

junge welt, Interview, 3. Dez. 2001

SPIEGEL Online, 18. Nov. 2011

SPIEGEL Online, 18. Nov. 2011

Wie zieht man auch noch so berechtigte Kritik an herrschenden Systemen am leichtesten ins Lächerliche? Man nehme eine Gruppe von Leuten, die gemeinhin als Spinner betrachtet werden, und legt ihnen diese berechtigte Kritik einfach in den Mund – und schon ist der Kritik für das gemeine Publikum das Fundament entzogen.

Genau so tut es SPIEGEL Online in Bezug auf den berechtigten Verdacht, staatliche Stellen bzw. der so genannte Verfassungsschutz könnten in den Nazi-Terror, der der Zwickauer Terrorzelle angehängt wird, verstrickt sein. Da heißt es in dem aktuellen Beitrag “Die kruden Zwickau-Theorien der Netz-Nazis” (siehe auch Screenshot), “in Internetforen tauschen Neonazis wilde Verschwörungstheorien aus… Der krude Tenor: Nicht Rechtsextreme seien für die Morde verantwortlich, die Taten gingen vielmehr auf eine Verschwörung und eine Inszenierung des Verfassungsschutzes zurück. Die drei Zwickauer Terroristen seien entweder V-Leute, die aus ‘dem Ruder gelaufen’ seien und ‘aus dem Weg’ mussten – oder der Verfassungsschutz habe die Terrorakte gleich direkt gesteuert. So solle ein neues NPD-Verbotsverfahren in Gang gebracht werden, mutmaßt etwa der Nutzer ‘Son of Hamdelli’ in einem der Foren.”

hintergrund.de: “Fakt ist, dass das Zwickauer Trio nicht über ein Jahrzehnt ohne staatliche Unterstützer in der Illegalität leben konnte”
Allein dass derlei Aussagen von SPIEGEL Online mit dem Begriff “Verschwörungstheorie” belegt werden, zeigt die Absicht des Nachrichtenportals, Gedanken und Verdächtigungen dieser Art in die Ecke der Fantasterei und Spinnerei zu schieben.

Auch der in den Foren geäußerte Verdacht, die beiden Mitglieder der so genannten Zwickauer Terrorzelle – Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt – könnten sich gar nicht selbst umgebracht haben, sondern von Geheimdiensten umgebracht worden sein, wird von SPON als “krude Gegentheorie” bezeichnet und damit letztlich auch als Fantasterei abgekanzelt. Dabei ist der Verdacht absolut berechtigt, möge er auch von Rechtsextremen oder Nazis kommen. Immerhin berichtete SPON selber noch am vergangenen Samstag (12. Nov.), dass einem Ermittler zufolge die Spurenlage im Wohnmobil „nicht unbedingt auf einen gemeinsamen Suizid hin[deute]“. Und weiter: “Überhaupt: Warum sollten sich zwei mutmaßliche Schwerkriminelle nach einem geglückten Banküberfall umbringen? Aus Reue? Aus Angst vor der Polizei?”

Von derlei Skepsis scheint sich SPON aber jetzt zunehmend zu distanzieren. Offenbar ist SPIEGEL Online nicht (mehr) primär daran gelegen, Aufklärung zu leisten, die den Machtcliquen in einschneidender Form gefährlich werden könnte.

Ganz anders Sebastian Runge auf hintergrund.de in seinem Artikel “Immer tiefer verstrickt: Geheimdienste und Naziterror”. Darin stellt er die Frage:”Wurden die beiden Männer [Mundlos und Böhnhardt] vielleicht getötet, damit nicht herauskommt, wer hinter den Mordtaten steckt? Oder sollte eventuell eine neue, zweite Mordserie verhindert beziehungsweise beendet werden?”

Runges Fazit: “Welche Rolle auch immer Mitarbeiter der Geheimdienste bei den Aktivitäten der Neonazi-Terrorzelle namens ‘Nationalsozialistischer Untergrund’, kurz NSU, gespielt haben mögen, Fakt ist, dass das Zwickauer Trio nicht über ein Jahrzehnt ohne staatliche Unterstützer in der Illegalität leben konnte.”

hintergrund.de: “Auch beim Oktoberfest Attentat 1980 spielten Geheimdienste eine zwielichtige Rolle – doch polizeiliche und juristische Aufklärung fand zu keinem Zeitpunkt statt”
“Bundeskanzlerin Merkel sprach angesichts des rechten Terrors von einer ‘Schande für Deutschland’”, so Runge. “Um die Schande möglichst klein zu halten, wird man in den Führungsetagen bestrebt sein, den Fall – trotz zwangsläufig gegenteiliger Lippenbekenntnisse – nicht aufzuklären.” Und Medien wie der SPIEGEL scheinen hier der Politik nicht in die Quere kommen zu wollen.

Runge zieht auch noch eine interessante Parallele zum Oktoberfest-Attentat 1980 in München, dem größten Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bei diesem Attentat, so Runge, “spielte der Geheimdienst ebenfalls eine zwielichtige Rolle. Es deutet Vieles darauf hin, dass der Täter damals nicht alleine handelte, sondern Teil der Gladio-Struktur war, einer paramilitärischen Geheimorganisation von NATO, CIA und des britischen MI6. Polizeiliche und juristische Aufklärung fand zu keinem Zeitpunkt statt. Wichtige Zeugen wurden bis heute nicht befragt, Beweise verschwanden und sämtliche Akten wurden inzwischen vernichtet. In den Verdacht der Unterstützung geriet vor allem die neonazistische Wehrsportgruppe Hoffmann, die dank ihres militaristischen Auftretens schnell im ganzen Land berühmt und berüchtigt wurde. Ihr damaliger Anführer, Karl-Heinz Hoffmann, wurde wegen Geldfälschung, gefährlicher Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz, Nötigung sowie mehreren Fällen von Freiheitsberaubung angeklagt. 1984 wurde er zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt, jedoch bereits 1989 wegen guter Führung und „günstiger Sozialprognose” vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen.

2004 erwarb Hoffmann mehrere Immobilien in Sachsen, darunter ein ehemaliges Rittergut mit Herrenhaus und Stallungen. Hoffmann gründete anschließend einen gemeinnützigen Verein und erhielt vom Land Sachsen von 2005 bis 2007 insgesamt 130.000 Euro als Fördergelder für die Erhaltung und Pflege eines Kulturdenkmals.

Interessanter Link zum Thema:

# Was ist “brauner Terror” und wie kommte es dazu?, hintergrund.de, 14. Nov. 2011

EU-Krisengipfel: Wie der SPIEGEL Kanzlerin Merkel als “Sprengmeisterin”, die Europa aus der Schuldenkrise führt, bejubelt – und damit seinen Lesern nur Mumpitz erzählt

  27. Oktober 2011, von T. Engelbrecht
SPON-Hauptaufmacher vom 27. Okt. 2011, 12 h; Foto: dpa
SPON-Hauptaufmacher vom 27. Okt. 2011, 12 h; Foto: dpa

SPIEGEL Online findet in seinem aktuellen Hauptaufmacher (12 h; siehe auch Screenshot) für die Kanzlerin mal wieder überaus lobende Worte (SPIEGELblog berichtete über diese Art der Hofberichterstattung mehrfach). Angela Merkel sei eine “Sprengmeisterin”, die sich beim EU-Krisengipfel in etlichen Punkten durchgesetzt” habe. Durch Merkel sei “Europa mit etwas Glück nun auf dem richtigen Weg, um die Schuldenkrise zu überwinden”.

Diese Worte von SPON-Kommentator Roland Nelles, der zu Beginn seiner journalistischen Laufbahn viele Jahre beim Springer-Verlag verbracht hat, klingen nach PR aus der CDU-Zentrale – und genau so viel bzw. wenig kann man auf diese Jubelworte auch geben. Denn mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist das, was in Brüssel nun beschlossen wurde, keine nachhaltige Lösung, die dem Steuerzahler in irgendeiner Weise helfen bzw. die Schulden der Länder entscheidend verringern wird.

Handelsblatt: „Ökonomen zum Euro-Rettungspaket: ‘Die Staatsschuldenkrise wird wieder hochkochen’“
So bringt das Handelsblatt auf seiner Website aktuell (12.30 h) den Hauptaufmacher “Ökonomen zum Euro-Rettungspaket: ‘Die Staatsschuldenkrise wird wieder hochkochen’” (die Schlagzeile wurde kurzerhand in “Ökonomen zum Euro-Rettungspaket: Mogelpackung statt großer Wurf” umgeändert). Darin heißt es: “Fragliche Beschlüsse, weiterhin hohe Risiken: Ökonomen können dem Maßnahmenpaket der Euro-Länder zur Lösung der Schuldenkrise nicht viel Positives abgewinnen. Der Rückenwind wird bald verflogen sein.”

Und in dem aktuellen Kommentar zum Thema auf handelsblatt.de “Das 1.000.000.000.000-Euro-Risiko” heißt es: “Und sie bewegen sich doch. Das ist die gute Nachricht des Euro-Gipfels. Die schlechte ist: Das Risiko für hohe Verluste ist erheblich gestiegen. Für die Banken dagegen ist der Brüsseler Kompromiss ein gutes Geschäft.”

Vor diesem Hintergrund ist auch der darauf folgende Hauptaufmacher bei SPIEGEL Online - “Euro-Gipfel: Die Banken müssen jetzt bluten” – Kokolores und letztlich wohl v.a. dem Drang bei dem Nachrichtenportal, seine Leser mit möglichst großem Spektakel abzuholen, geschuldet (über SPONs Hang zum Spektakel berichtete SPIEGELblog bereits).

Gespräch mit Helmut Schmidt und Peer Steinbrück: Der SPIEGEL verkommt zur PR-Zentrale – und leidet unter Amnesie

  26. Oktober 2011, von T. Engelbrecht

“Hier – der aktuelle SPIEGEL: ‘Er kann es’. Was genau, weiß ich nicht – ich konnt’s nicht lesen, mir war schon schlecht vom Titelbild. Abgesehen davon, lieber SPIEGEL, da ist doch noch Luft nach oben in Sachen hündischer Ergebenheitsjournalismus, oder? Beim nächsten mal macht ihr das Ganze bitte mit [Playboy-mäßigem] Ausklappfoto [von Peer Steinbrück in Lederkluft], denn ein bisschen Sex hat auch im SPIEGEL mal Platz, finde ich.”
Oliver Welke, heute show, 28. Okt. 2011 (Min. 29:27 – 29:47)

SPIEGEL-Titel 43/2011; Quelle: SPIEGEL Online
SPIEGEL-Titel 43/2011; Quelle: SPIEGEL Online

Europa ringt mit der Schuldenkrise, die genau genommen eine Bankenkrise ist – und der SPIEGEL hat nix besseres zu tun, als Helmut Schmidt und Peer Steinbrück auf seinen Titel zu heben mit einer Botschaft von “Schmidt Schnauze”, die so klingt, als käme sie direkt aus der PR-Zentrale des Steinbrückbüros: Steinbrück kann Kanzlerkandidat (siehe auch Screenshot).

Der SPIEGEL blendet in seinem Titel aus, dass Steinbrück mitverantwortlich zeichnet für die derzeitige Megakrise
Ein solcher Titel ist aber völlig deplatziert, denn gerade Steinbrück war ja v.a. in seiner Zeit als Bundesfinanzminister von 2005 bis 2009 entscheidend mitbeteiligt an den Fehlentscheidungen der Politik – mit der Folge, dass die Banken das Geld hinterhergeworfen bekamen und somit europäische Staaten erst so richtig in die Schuldenkrise schlitterten. FTD-Kolumnist Thomas Fricke hat in seinem aktuellen Beitrag “Schluss mit der Bankermagie” treffend aufgezeigt, dass “der atemberaubende Schuldenanstieg [europäischer Staaten] seit 2007 eher die Folge eines Bankendesasters” ist. Sprich, erst haben sich die Banken verzockt, dann bekamen sie das Geld von der Politik in den Rachen geschmissen – und dann schnellten die Staatsschulden ins Unermessliche.

Blog Tief im Süden: “Steinbrück war in all seinen politischen Ämtern wenig erfolgreich – immer nur den kühlen Klaren mimen reicht einfach nicht”
Wie wenig Steinbrück zum Kanzlerkandidaten taugt, beschreibt auch der Blog Tief im Süden treffend:

“Steinbrück kann Kanzler – ist das wirklich so? Ich weiß nur, dass Steinbrück in all seinen politischen Ämtern wenig erfolgreich war, dass er ‘im Trend’ Fehlentscheidungen getroffen hat, die jemand, der weiß wovon er redet, halt so nicht hätte treffen dürfen. Immer nur den kühlen Klaren mimen reicht einfach nicht. Erst befürwortet er die weitere Aushebelung aller Regulierungsmechanismen für die Spekulationsindustrie, um dann panisch Milliarden an Steuergeldern zur Rettung genau dieser Bagage in die gierigen Rachen zu schieben. Er wurschtelt in der Großen Koalition kritiklos mit und lässt sich als Krisenmanager feiern für Entscheidungen, die einzig eine zeitliche Verschiebung der Probleme bedeuten und nun potenziert ganze Volkswirtschaften kollabieren lassen.

Ganz nebenbei ist es Steinbrück in schöner Zusammenarbeit mit Müntefehring und Steinmeier gelungen, die SPD zu marginalisieren und auf Jahre unwählbar zu machen. Nun, vielleicht sind diese Jahre ja bereits vorbei und auf Amnesie des Kurzzeitgedächtnisses der Wähler können sich Parteien wohl ziemlich sicher verlassen. Ich will mich über Helmut Schmidt nun wirklich nicht despektierlich äußern, aber er ist ja nun schon über 90 Jahre alt und das Kurzzeitgedächtnis ist halt meistens als erstes betroffen…”

Und wovon Über-90-Jährige mitunter betroffen sind, darunter scheinen auch die Gestalter des aktuellen SPIEGEL-Covers zu leiden: unter Amnesie.

VWL-Professor Klaus-Peter Kisker: “Zu Helmut Schmidt als ‘großem Ökonomen’ etwas zu sagen, fällt mir schwer. Ich weiß nicht, wie er zu diesem Ruf gekommen ist.
Im Übrigen stellt sich die Frage, ob Helmut Schmidt überhaupt berufen ist, in diesen ökonomisch so angespannten Zeiten als Gradmesser für fundierte Ansichten zu stehen. Wie etwa auf der Seite www.fzs.de zu lesen ist, hat Klaus-Peter Kisker (Nationalökonom aus Berlin und für Jahrzehnte Mitglied der Partei von Helmut Schmidt) dazu folgendes geantwortet hat:

“Zu Helmut Schmidt als ‘großem Ökonomen’ etwas zu sagen, fällt mir schwer. Ich weiß nicht, wie er zu diesem Ruf gekommen ist. Weder in seiner politisch aktiven Zeit noch anschließend in der ZEIT hat er irgendwelche relevanten theoretisch fundierten Aussagen zu wirtschaftspolitischen Themen gemacht. Ich weiß, dass er in Hamburg u.a. bei Karl Schiller Volkswirtschaftslehre studiert hat. Wie Schiller hat er lange einen Bastard-Keynsianismus vertreten, das heißt, Keynes als Steinbruch genutzt, die ihm passenden Stücke herausgebrochen, die schweren Brocken aber links liegen gelassen. In der alten Bundesrepublik hat er kurz vor seiner Abwahl mit dem Haushaltskonsolidierungsgesetz die neoliberale Wende eingeleitet, die dann durch Kohl nur weiter geführt wurde. Heute offenbart er sich als Neoliberaler.

In der ARD bei Beckmann (13.12.04) behauptete er, dass die Deutschen die meisten Feiertage hätten und die wenigsten Arbeitsstunden in der ganzen Welt leisteten. Sein Fazit, das muss sich ändern. In der ZEIT vom 22.05.03 greift er scharf die deutschen Gewerkschaftsführer und Lafontaine an, die sich von Marxisten zu Pseudokeynsianern gewandelt hätten und die verhindern, dass in Deutschland die notwendigen Anpassungen vorgenommen werden können. Mehr kann ich zu diesem theoretischen Vakuum auf die Schnelle nicht sagen.”

Interessante Links zum Thema:

# “Wenn 147 Konzerne die ganze Wirtschaft kontrollieren”, tagesanzeiger.ch, 23. Okt. 2011

# Stefania Vital et al.: The network of global corporate control, ETH Zürich, 19. Sept. 2011

# sueddeutsche.de: Schmidt und Steinbrück – zu doof, das Schachbrett für das Foto für ihr Buch-Cover richtig hinzurücken