- SPIEGELblog - http://www.spiegelblog.net -

Wie der SPIEGEL Wirtschaftsminister von und zu Guttenberg in Werbemanier zum Superhelden à la Batman verklärt

[1]Der SPIEGEL legt sich seit Wochen auf billige Weise für Gel-Minister Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg ins Zeug. Bereits Ende April jubelte SPIEGEL-Dampfplauderer Reinhard Mohr zu Guttenberg zum Star hoch, nur weil der „Golden Boy“ AC/DC vom ADAC unterscheiden konnte (SPIEGELblog berichtete [2]).

Dann setzt Thomas Tuma, immerhin Leiter des Wirtschaftsressorts beim SPIEGEL, zu Guttenberg mit Batman gleich und verklärt ihn zum „strahlenden Helden“, der „für uns die Welt retten“ werde [3]. Man bemüht sich noch, in Tumas Beitrag Satirisches herauszulesen, doch vergeblich. Zumal das Foto, das den Beitrag säumt, von der Celebrity-Postille Gala , die es mit der Trennung von Werbung und Redaktion nach eigenem Bekunden nicht so genau nimmt [4], nicht besser hätte ausgesucht werden können. Und selbst wenn der Beitrag als Satire gedacht gewesen sein sollte, so schimmert sie so schwach hindurch, dass der Text immer noch wie eine Wahlwerbung aus der CSU-Zentrale daherkommt.

Multimedia-Beitrag auf SPIEGEL Online kommt Wahlwerbespot für zu Guttenberg gleich
Den dazugehörigen TV-Wahlwerbespot für zu Guttenberg liefert dann heute SPIEGEL-Autorin Janita Hämäläinen. Titel: „Retter vom Dienst: Der neue Superminister zu Guttenberg“ [1] (siehe Screenshot). Auch dies hätten die PR-Strategen der CSU nicht besser hinkrigen können. In dem knapp [5]zweiminütigen Politikerwerbespot… ähh SPIEGEL-Online-Multimedia-Beitrag darf selbst das gemeine Arbeitervolk den adligen zu Guttenberg als „sympathischen“ Typen beschreiben – als jemanden, „der weiß, was er tut“. „Gefällt mir gut, der Mann“, zieht ein Arbeiter das Fazit.

Kurz vor den Europawahlen ist eine derartig als Journalimus getarnte Politikerwerbung natürlich Wasser auf die Mühlen der christlichen Parteien. Wir befinden uns aber nicht auf den Internetseiten der CDU/CSU, sondern auf der Seite eines selbsternannten Nachrichtenmagazins.

Dass man als journalistisches Medium den Freiherrn von und zu Guttenberg so wie jeden anderen aus der Politikerkaste konsequent(!) kritisch begleiten sollte, auf den Gedanken kommt man beim SPIEGEL offenbar nicht. Also, liebe zu-Guttenberg-Fangemeinde vom SPIEGEL, vielleicht mal reinschauen in den Beitrag „Spezifisch rheinisch feuern: Die Entscheidung, zwei Jahre lang Kurzarbeitergeld zu bezahlen, hat weniger eine ökonomische als eine politische Funktion“ [6] aus der Jungle World.

Oder einfach mal reinschauen, was www.abgeordnetenwatch.de [7] zu unserem Freiherrn schreibt.

Nun, wie die Informationsgesellschaft inklusive SPIEGEL funktioniert, hat ja bereits die Titanic schauerlich anschaulich dargestellt (siehe zweiten Screenshot).