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Blamable Berichterstattung zur CIA-Folter: „In Dunkelkammern erfolterte Aussagen werden bei Leitmedien wie dem SPIEGEL zu unumstößlichen Tatsachen“

„‚Keine unabhängige Stelle, kein unabhängiges Gericht‘ habe die zur Verfügung stehenden ‚angeblichen oder tatsächlichen Beweise überprüft und nachprüfbar in einem rechtsstaatlichen Anforderungen genügenden Verfahren festgestellt, wer für die Anschläge von 9/11 verantwortlich war‘, wie Bundesverwaltungsrichter Dieter Deiseroth bereits vor fünf Jahren erklärte. Das schreie geradezu nach Aufklärung, so der Richter [1]. Demnach ist die Beweislage äußerst dünn, was die Täterschaft der inhaftierten mutmaßlichen 9/11-Drahtzieher angeht, um nicht zu sagen, sie wurde nie von der US-Regierung erbracht. Dennoch wird die offizielle 9/11-Version und deren offenkundige Manipulation seitens der US-Administration in den Leitmedien [wie dem SPIEGEL] auch nach Veröffentlichung des ‚Folterberichts‘ nicht hinterfragt.“
Sebastian Range, Was der ‚CIA-Folterbericht‘ sonst noch sagt“ [2], hintergrund.de, 11. Dez. 2014

mmm; Foto: DPA [3]

Anstatt den von brutalster Folter gekennzeichneten Umgang der US-Behörden mit Terrorverdächtigen als Taten eines Unrechtsstaates zu brandmarken und dies endlich auch mal zum Anlass zu nehmen, die von keinerlei Fakten gedeckte offizielle Version zu 9/11 dezidiert zu hinterfragen, verklärt Sebastian Fischer, US-Korrespondent des SPIEGEL, in einem Kommentar auf SPIEGEL Online (siehe Bild oben) lieber die Ergebnisse des CIA-Folterberichts zu einem Ausdruck der amerkanischen Demokratiefähigkeit – da lassen die PR-Manager der Republikaner regelrecht grüßen…; Foto: DPA

Wie bereits im vorigen SPIEGELblog-Beitrag über die CIA-Folter erwähnt, hat SPIEGEL Online bis dato weit ausführlicher als andere Nachrichtenportale wie bild.de, focus.de oder abendblatt.de über die CIA-Folter berichtet. Das ist durchaus löblich, geht es doch bei dieser Thematik um nicht weniger als um die Zerstörung von Grundwerten, für deren Erreichen Hunderte, wenn nicht gar Tausende Jahre gekämpft und in unglaublichem Ausmaß geblutet wurde.

Dennoch bleibt man bei genauer Betrachtung auch bei der SPON-Berichterstattung über die CIA-Greueltaten fassunglos zurück, denn die „in Dunkelkammern erfolterten Aussagen werden bei Leitmedien wie dem SPIEGEL zu unumstößlichen Tatsachen“, wie hintergrund.de in seiner Analyse „Was der ‚CIA-Folterbericht‘ sonst noch sagt“ [2] zu Recht schlussfolgert.

In dieser Analyse heißt es:

Weil der [2004 präsentierte „9/11-Untersuchungsbericht insgesamt auf über hundert von der CIA produzierten Verhör-Protokollen beruht“ und somit letzlich keinerlei stichhaltige Fakten aufweist, seien „‚die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der 9/11-Untersuchungskommission zu hinterfragen‘, wie Bundesverwaltungsrichter Dieter Deiseroth bereits vor fünf Jahren erklärte. ‚Keine unabhängige Stelle, kein unabhängiges Gericht‘ habe die zur Verfügung stehenden ‚angeblichen oder tatsächlichen Beweise überprüft und nachprüfbar in einem rechtsstaatlichen Anforderungen genügenden Verfahren festgestellt, wer für die Anschläge von 9/11 verantwortlich war‘. Das schreie geradezu nach Aufklärung, so der Richter [1].

Demnach ist die Beweislage äußerst dünn, was die Täterschaft der inhaftierten mutmaßlichen 9/11-Drahtzieher angeht, um nicht zu sagen, sie wurde nie von der US-Regierung erbracht. Dennoch wird die offizielle 9/11-Version und deren offenkundige Manipulation seitens der US-Administration in den Leitmedien auch nach Veröffentlichung des ‚Folterberichts‘ nicht hinterfragt. So heißt es bei SPIEGEL Online lapidar, die Rolle von Abu Zubaydah und Ramzi Bin al-Shibh sei  ‚überschätzt‘ und ‚überbewertet‘ worden. Zweifel am offiziellen 9/11-Narrativ werden am Ende des Artikel beseitigt: ‚2006 wird Khalid Sheikh Mohammed nach Guantanamo Bay überführt. Erst dort gesteht er seine Beteiligung an den 9/11-Anschlägen.‘ [4]

Ein ‚Geständnis‘, das wohlgemerkt vor einem von der Öffentlichkeit abgeschirmten Militärtribunal im Mai 2007 erfolgt sein soll (‚Ich war verantwortlich für die 9/11-Operation, von A bis Z‘), und somit Jahre, nachdem seine ‚Geständnisse‘ im offiziellen Untersuchungsbericht hundertfach als Beweisgrundlage herangezogen worden waren. Zu dem Zeitpunkt hatte Sheikh Mohammed jahrelange Tortur, Isolation und Gehirnwäsche hinter sich – man drohte ihm sogar, seine minderjährigen Kinder zu foltern [5].

Während Generalbundesanwalt Harald Range am Donnerstag durch Folter erpresste Geständnisse für tabu erklärte, die in Strafverfahren nicht berücksichtigt werden dürften, gelten für das Hamburger Nachrichtenmagazin [DER SPIEGEL] und andere Leitmedien bezüglich des 11. September keine solchen Berührungsverbote. In Dunkelkammern erfolterte Aussagen werden bei ihnen zu unumstößlichen Tatsachen.

Wer daran zweifelt, wird schnell mal als ‚antiamerikanischer Verschwörungstheoretiker‘ gebrandmarkt. Vor einiger Zeit galten auch noch jene als solche, die den US-Diensten die nun bewiesene Folter-Praxis in diesem Ausmaß vorwarfen. Birgt der Umgang der US-Behörden mit Terrorverdächtigen auch alle Kennzeichen eines Unrechtsstaates in sich, so gilt etwa dem SPIEGEL diese nun mit dem ‚Folterbericht‘ gewonnene Erkenntnis geradezu als Ausdruck der US-amerikanischen Demokratiefähigkeit:

‚Und die Veröffentlichung enthält auch eine Botschaft für die Gegner Amerikas: Die USA machen Fehler, furchtbare bisweilen; aber sie haben die Kraft, sich dazu zu bekennen und daraus zu lernen. Transparenz hat einer Demokratie noch nie geschadet‘ [2], schreibt Sebastian Fischer, US-Korrespondent des Blattes, der vom Herausgeber der Nachdenkseiten und ehemaligen Planungschef im Bundeskanzleramt, Albrecht Müller, bereits im Zuge der Russland-Berichterstattung des SPIEGEL als ‚typischer PR-Journalist‘ gewürdigt wurde.“