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CIA-Folter: SPIEGEL Online berichtet, dass Gul Rahman nach den an ihm verübten Foltereien „der einzige Häftling ist, der ums Leben kam“ – doch in Wahrheit starben viele Menschen durch die bestialischen CIA-Torturen

„Der Bericht über die CIA-Folterpraktiken…, der mehr als 500 insgesamt stark zensierte Seiten umfasst, weist im Detail nach, was im Grundsatz bereits lange bekannt ist: dass die CIA… auch tödliche Folter gegen eine Vielzahl an Verdächtigen angewandt hat…. Auch der Deutsche Murat Kurnaz.., der bereits Ende 2001 in ein Internierungslager im afghanischen Kandahar verschleppt worden war, …hing dort fünf Tage lang an der Decke eines unbeheizten Flugzeugschuppens – und musste mit ansehen, wie ein Mitgefangener durch diese Foltermethode ums Leben kam und ein zweiter von US-Militärs zu Tode geprügelt wurde.“
german-foreign-policy.com, „Mitwisser und Profiteure“ [1], 11. Dez. 2014

[2]

In seinem Beitrag „US-Folterbericht: So bestialisch quälte die CIA ihre Gefangenen“ schreibt SPIEGEL Online fälschlicherweise, dass Gul Rahman „der einzige Häftling ist, der ums Leben kam“; Foto: Getty Images

Eines muss man dem SPIEGEL bei seiner Berichterstattung über die CIA-Foltereien zugute halten: Im Gegensatz zu Nachrichtenportalen wie bild.de, focus.de, abendblatt.de oder mopo.de berichtet SPIEGEL Online wenigstens auf seiner Startseite ausgiebig und an prominenter Stelle über die endgültigen Belege dafür, dass sich die mächtigste Nation der Welt endgültig ins tief mittelalterliche Zeiten zurückgebeamt hat!

Bild.de z.B. hält es – peinlicherweise – etwa für wichtiger, über „die neue Super-Laserwaffe der US-Navy“ [3] oder „Bernd Fritz, der 1988 einen TV-Skandal bei ‚Wetten, dass..?‘ auslöste“ [4], zu berichten. Und nur wenn man auf der bild.de-Startseite ganz weit runterscrollt, findet man das Artikelchen „Folterbericht des US-Geheimdienstes: CIA-Chef gesteht Fehler ein“ [5].

Da ist man geradezu geneigt, sich zu wünschen, dass die bild.de-Schreiberlinge selbst mal in die Fänge der CIA geraten und alles durchmachen müssen, was die Gefolterten so alles erleiden mussten. Dann sähe die Themengewichtung auf der Startseite von bild.de garantiert ganz anders aus…

Doch auch SPIEGEL Online ist nicht frei davon, Dinge herunterzuspielen bzw. falsch darzustellen. So heißt es in dem Artikel „US-Folterbericht: So bestialisch quälte die CIA ihre Gefangenen“ [2], dass „Gul Rahman versehentlich festgenommen wurde“ und nach den an ihm verübten Foltereien „der einzige Häftling ist, der ums Leben kam“.

Doch das ist falsch. So steht z.B. bei german-foreign-policy.com in dem Beitrag „Mitwisser und Profiteure“ [1] folgendes zu lesen:

„Weltweites Entsetzen hat die Veröffentlichung des Berichts über die CIA-Folterpraktiken im ‚Anti-Terror-Krieg‘ hervorgerufen, den der Geheimdienstausschuss des US-Senats am Dienstag offiziell vorgelegt hat.* Der Bericht, der mehr als 500 insgesamt stark zensierte Seiten umfasst, weist im Detail nach, was im Grundsatz bereits lange bekannt ist: dass die CIA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 brutale, auch tödliche Folter gegen eine Vielzahl an Verdächtigen angewandt hat.

In dem US-Senatbericht wird ebenfalls erwähnt, dass Gefangene in geheimen US-Haftzentren an die Decke gekettet wurden. Dies ist auch dem Deutschen Murat Kurnaz widerfahren, der bereits Ende 2001 in ein Internierungslager im afghanischen Kandahar verschleppt worden war. Kurnaz hing dort fünf Tage lang an der Decke eines unbeheizten Flugzeugschuppens – und musste mit ansehen, wie ein Mitgefangener durch diese Foltermethode ums Leben kam und ein zweiter von US-Militärs zu Tode geprügelt wurde.“

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* Senate Select Committee on Intelligence: Committee Study of the Central Intelligence Agency’s Detention and Interrogation Program. Declassification Revisions December 3, 2014